Wir in der Presse

Potsdamer Gartengestaltung: Ein Hanseat in Brandenburg
(Gelesen im Fachmagazin Dega vom 27. Juli 2005)

Was treibt einen Unternehmer aus dem reichen Hamburg dazu, ins strukturschwach geltende Brandenburg umzuziehen? Diese Frage hat DEGA an Jens Biewendt gerichtet, Landschaftsbauunternehmer aus Geltow bei Potsdam und jüngstes Mitglied der Gärtner von Eden.

Wenn man von Werder kommend die Havel überquert, könnte man sich auch irgendwo nördlich von Hamburg wähnen. Sehr norddeutsch wirkt der Ort Geltow, der sich zwischen den Bäumen oberhalb vom Schwielowsee versteckt. Es waren aber wohl keine Landschaftseindrücke, die den hanseatischen Unternehmer Jens Biewendt Mitte der neunziger Jahre nach Osten verschlagen haben. Vielmehr bot die Geschäftsbeziehung zu dem Elmshorner Bauträger Semmelhaack 1994 die Möglichkeit, in Brandenburg erfolgreich eine Filiale zu betreiben. Biewendt hatte vier Jahre zuvor in Hamburg seinen Meister gemacht und einen Landschaftsbaubetrieb aufgebaut. Die Wende war gerade Geschichte und für Bauunternehmen und Landschaftsgärtner schien das Land östlich der Elbe erstmals voll unbegrenzter Möglichkeiten zu sein. Semmelhaack versprach volle Auftragsbücher. Alleine das Potsdamer Baugebiet „Altes Rad“ oberhalb des urig-verschlafenen Stadtteils Eiche, garantierte bis 1998 die Auslastung. Vier Jahre lang gestalteten Biewendt und seine Mitarbeiter die Anlagen von 400 Einfamilienhäusern, Doppelhäusern und Wohnanlagen, samt Tief- und Straßenbauleistungen.

Noch heute ist Semmelhaack der größte Anbieter von Niedergeschossbauten in der Region. Aber für Biewendt ist das Geschäft mit den Bauträgern abgeschlossen. Nach Jahren des Preisverfalls lohnt es sich für das Unternehmen nicht mehr, in diesem Sektor mit anzubieten. Überhaupt hat sich der Unternehmer aus dem Submissionsgeschäft praktisch zurückgezogen. Er habe keine Lust mehr, gibt er unumwunden zu, sich an Ausschreibungen zu beteiligen und sich den Regeln dieses Markts zu unterwerfen. „Ich kenne durchaus 80-, 90-Mann Unternehmen, die öffentliche Aufträge Gewinn bringend abwickeln“, ergänzt er. Es sei aber nicht seine Sache, über Klauseln und Nachträge sein Geschäft zu betreiben. Dazu würden die öffentlichen Auftraggeber die Auftragnehmer aber letztlich zwingen, denn von vorneherein sei klar, dass viele Aufträge zu diesem Preis nicht umzusetzen seien. „Meine Liebe galt immer dem Privatgarten und das ist ein weiterer Grund, weshalb wir uns aus dem Geschäft mit den großen Aufträgen verabschiedet haben.“

Kooperation als Konkurrenzvorteil

Heute heißt der Betrieb „Potsdamer Garten Gestaltung“ , beschäftigt 15 Leute und hat sich im vergangenen Jahr den „Gärtnern von Eden“ (GvE) angeschlossen. Dabei strebt der Hanseat nicht Selbstverwirklichung über Logo und Firmennamen an: „Es würde doch ewig dauern, ein eigenes Logo so im Markt zu verankern, dass es wirklich Wiedererkennungseffekt hat“ , sagt Biewendt und erklärt damit auch, weshalb es ihn wenig schmerzt, dass eigene Logo wegen angeblicher Ähnlichkeit zur „Schwangeren Landschaft“ nicht mehr benutzen zu dürfen. Nach Einschätzung des Unternehmers macht es für seinen Betrieb ohnehin viel mehr Sinn, in Zukunft unter der Flagge der „Gärtner von Eden“ zu segeln. „Das Logo ist bereits eingeführt und hat einen hohen Wiedererkennungseffekt – das könnte ich mit meinem Mitteleinsatz und meinen Möglichkeiten doch niemals erreichen, da fehlt einfach die Tradition“, beschreibt er seine Gründe, seine Außendarstellung zu ändern. „Ich war froh, dass da schon etwas qualitativ Hochwertiges vorhanden war“, sagt er auch mit Rückblick auf die Zeit, die er selbst mit der Entwicklung von Logos und Marketinginstrumenten zugebracht hat. Heute freut er sich über die Resonanz auf die GvE-Kundenzeitschriften und die Eden-Hefte. Die sind bei vielen schon bekannt, so Biewendts Beobachtung, und fördern damit auch das Ansehen seiner Leistung.

Überhaupt ist der Neu-Brandenburger davon überzeugt, dass Kooperationen Erfolg bringen: „Wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass wir alle möglichst leicht unser Geld verdienen wollen.“ Da seien doch fertige Pakete eine wesentliche Hilfe. So baut er sowohl bei den Schwimmteichen (Swimming -Teich) als auch bei der Bewässerung (Gardena) auf Systemanbieter, die ihm den Rücken für Kundenbetreuung und Gestaltung freihalten.

Gerade die beiden letzten Bereiche hält er auch in seiner Region für Wachstumsmärkte. „Wir haben dieses Jahr schon fünf Schwimmteiche gebaut“, sagt Biewendt. Auch die Bewässerung in dem trotz aller Seen als besonders trocken geltenden Gebiet boomt. „Als ich aus Hamburg kam, musste ich mich wettermäßig erstmal umstellen – das reicht bis zur Pflanzenverwendung“, sagt der Unternehmer und erzählt, wie er mit seinen Ligusterhecken Schiffbruch erlitten hat. „Im hanseatischen Klima wachsen die wie Unkraut. Hier muss ich mir Sorgen machen, dass sie vertrocknen“, sagt er schmunzelnd und führt fort, dass manche Hecken innerhalb von Jahren nur um wenige Zentimeter gewachsen seien. Ein Phänomen, das sich im Baugebiet „Altes Rad“ noch heute nachvollziehen lässt. Aber der extrem sommertrockene Sandboden hat für den Unternehmer auch den Vorteil, dass Bewässerungsanlagen rege nachgefragt werden.
Und der sandige Boden hat noch eine andere gute Seite: „Eigentlich sind wir im Moment übermotorisiert“, sagt Biewendt lachend. „Die Erdbaumaschinen halten hier einfach zehn Jahre länger. Wir haben noch unsere Ausstattung aus der Zeit, als wir Tief- und Straßenbau betrieben haben.“

Vertrauen erwirtschaften

Dass das Geschäft gut läuft, führt der Hamburger auch auf den Vertrauensvorsprung zurück, den er sich mit seinen Leuten erarbeitet hat. „Kreativität und Kostensicherheit sind zwei ganz wichtige Größen, die wir bieten können.“ Letztlich bedeute es doch für einen Kunden sehr viel Risiko, sich auf eine Investition einzulassen, deren Aussehen er erst nach Fertigstellung beurteilen könne. „Eigentlich verkaufen wir Vertrauen“, beschreibt Biewendt sein Geschäft. „Wir müssen dem Kunden die Sicherheit geben, dass wir ihm für das Geld auch den Garten seiner Vorstellungen realisieren“, präzisiert er.
Planung ist für Biewendt ein Weg, das Risiko zu minimieren und dem Kunden die Ideen zu veranschaulichen. „Ab 25 000 Euro Bauvolumen ist eine Planung zwingend dabei – aber letztlich sage ich oft schon bei einer Terrassenneuanlage, dass da noch 250 Euro für eine Planung kalkuliert werden müssen.“ Das werde von den meisten Kunden auch akzeptiert. Solche Dinge, wie Skizzen aus der Hand zu geben, gibt es bei Biewendt übrigens nicht. „Wir lassen die Kunden dann zu uns kommen und erklären ihnen, was wir uns dabei gedacht haben.“ Dabei werde auch deutlich, dass nur sein Unternehmen diese Gartenplanung so ausführen kann.
Auch die Vorgespräche im Kundengarten finden nur statt, wenn der oder die Betreffende ernstes Interesse bekundet. „Drei, vier Größen kann ich schon am Telefon nennen und dann höre ich sehr schnell, woran ich bin“, beschreibt er seine Verfahren, Schnäppchenjäger auszusieben, denen es in erster Linie um kostenlose Beratung geht.

Über seine Zukunft macht sich der Unternehmer keine Sorgen. Berlin/Brandenburg sei zwar sehr strukturschwach (im Umland der Landeshauptstadt sind nach einer Studie nur 16 000 Haushalte finanziell in der Lage einen Landschaftsgärtner zu beauftragen), sei aber durchaus eine boomende Region. „Noch wohnen viele der Politiker, Beamten und Lobbyisten in Westdeutschland und pendeln in die Metropole. Aber in Zukunft werden sich die meisten wohl ein Häuschen im Berliner Speckgürtel suchen“, begründet Biewendt seinen Optimismus. Wer die Gegend rund um den Betriebssitz einmal besucht hat, wird diese Vermutung nachvollziehen können: es ist zweifellos ein schönes Stück Deutschland.

Tjards Wendebourg
c) DEGA online 27. Juli 2005 www.dega.de

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